Dieser besondere Ballettabend vereint zwei kontrastreiche, doch gleichermaßen einflussreiche Werke, die beide zur Musik von Igor Strawinsky choreografiert wurden: George Balanchines „Apollo“ und Pina Bauschs „Le Sacre du Printemps“.
„Apollo“ (ursprünglich „Apollon Musagète“) ist ein Schlüsselwerk des neoklassischen Balletts, das George Balanchine 1928 im Alter von nur 24 Jahren schuf und seine lebenslange Zusammenarbeit mit Strawinsky begründete. Die Handlung konzentriert sich auf den jungen Gott Apollo, der von den Musen des Tanzes (Terpsichore), der Pantomime (Polyhymnia) und der Dichtung (Calliope) besucht wird. Er wählt Terpsichore, die Muse des Tanzes, als seine Favoritin. Das Ballett ist eine Studie in reiner Bewegung, Ästhetik und Form. Es verzichtet auf aufwendige Bühnenbilder und Kostüme, um sich auf die Reinheit der Linien und die Subtilität der Bewegung zu konzentrieren. Balanchine verwendete auf innovative Weise klassische Ballettschritte, um die Entwicklung des Gottes und seine Beziehung zu den Musen darzustellen, die in Apollos Aufstieg zum Parnass gipfelte. „Apollo“ gilt als eines der wichtigsten Ballette des 20. Jahrhunderts und ist ein Paradebeispiel für Balanchines einzigartigen Stil, der Schönheit, Präzision und musikalische Intelligenz miteinander verbindet.
„Le Sacre du Printemps“ (Das Frühlingsopfer) von Pina Bausch, uraufgeführt 1975, ist eine der radikalsten und emotional packendsten Interpretationen von Strawinskys revolutionärer Musik. Im Gegensatz zu Balanchines Eleganz taucht Bauschs Version in die archaische und brutale Welt eines heidnischen Rituals ein. Die Handlung dreht sich um einen primitiven Stamm, der am Ende des Winters ein junges Mädchen auswählt – das „Opfer“ – das bis zum Tode tanzen muss, um die Fruchtbarkeit der Erde zu gewährleisten und den Frühling zu beschwören. Die Bühne ist oft mit Erde bedeckt, was die Verbindung zur Natur und die archaische Atmosphäre verstärkt. Bauschs Choreografie ist von rauer, fast animalischer Energie geprägt, die die Angst, Verzweiflung und das verzweifelte Überleben des Individuums inmitten der Gruppe thematisiert. Die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich mit einer rohen, oft zuckenden Kraft, die die innere Zerrissenheit und die unerbittliche Natur des Opfers widerspiegelt. Es ist ein Werk von atemberaubender Dramatik und emotionaler Wucht, das die Grenzen des traditionellen Balletts sprengt und den Tanz als Ausdruck tiefster menschlicher Erfahrungen etabliert.