Anton Bruckner arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1896 an seiner 9. Sinfonie, die er „dem lieben Gott“ widmete. Lange Zeit wurde das Werk nur dreisätzig aufgeführt, wobei das Adagio als ein jenseitiger, friedvoller Abschied verstanden wurde. Doch Bruckner hinterließ umfangreiche Skizzen für einen gewaltigen vierten Satz, ein Finale, das alle Themen der Sinfonie zusammenführen sollte.
In diesem Konzert wird die Fassung von Leopold Nowak verwendet, ergänzt durch die Vervollständigung des Finales von N. Samale, J.A. Phillips, B.-G. Cohrs und G. Mazzucca (in der Revision von J.A. Phillips). Diese wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion ermöglicht es dem Publikum, die sinfonische Architektur Bruckners erstmals in Italien in ihrer vollen, vierteiligen Pracht zu erleben.
Riccardo Chailly, ein ausgewiesener Kenner der deutsch-österreichischen Sinfonik, führt das Orchestra del Teatro alla Scala durch diese komplexe Partitur. Von den mystischen Urklängen des ersten Satzes über das dämonische Scherzo bis hin zum strahlenden, nun rekonstruierten Finale verspricht dieser Abend eine spirituelle und intellektuelle Grenzerfahrung zu werden.