Verdis Requiem (1874) ist weit mehr als eine Totenmesse; es ist ein gewaltiges religiöses Drama, das die gesamte emotionale Bandbreite der menschlichen Existenz abdeckt – von der nackten Todesangst im donnernden „Dies Irae“ bis zum ätherischen Flehen um Erlösung im „Libera Me“. Die Aufführung an der Scala hat eine besondere Bedeutung, da das Werk untrennbar mit der Geschichte dieses Hauses und der Stadt Mailand verbunden ist.
Unter der präzisen und leidenschaftlichen Stabführung von Riccardo Chailly wird die Partitur in ihrer ganzen spätromantischen Pracht entfaltet. Was diese Konzertreihe jedoch besonders „außergewöhnlich“ macht, ist das Solistenquartett: Weltstar Anna Netrebko übernimmt den Sopranpart, eine Rolle, die ihre dramatische Stimmkraft und ihre unvergleichliche Ausdrucksfähigkeit fordert. Flankiert wird sie von der Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova, dem kraftvollen Tenor Fabio Sartori und dem legendären Bassisten Michele Pertusi. Gemeinsam mit dem Orchestra und Coro del Teatro alla Scala schaffen sie ein Klangerlebnis, das die Grenzen zwischen Sakralmusik und Operndrama auflöst.